21.3.10

Lost in Translation

Zwei Wochen zurück in Europa, schön langsam kommt die Seele nach. Und trotzdem fühlt sich noch vieles irreal an. China ist vorbei, Europa noch nicht ganz da. Es braucht wohl einfach eine Weile.

Mit den ersten Jobinterviews und dem Skiurlaub am Matterhorn blieb wenig Zeit richtig anzukommen. Als Zuckerl obendrein hat es der BMW kurz vor Zermatt nicht mehr durch die Fahrzeugkontrolle geschafft. Na bravo, jetzt auch noch ohne fahrbaren Untersatz.

Aber vielleicht hilft ein wenig Entschleuningung ja auch. Bleiben wir also gespannt, was kommt. Aber das wird dann nicht mehr in diesem Blog stehen und Ihr müsst mich schon selber fragen.

26.2.10

Die letzten Tage in Shanghai

Mama und Annemarie sind am Mittwoch wieder zurückgeflogen und wohlbehalten in Altötting angekommen. Mit vielen neuen Eindrücken und einem Das Gepäck hat sie inzwischen hoffentlich dann auch erreicht, nachdem es den Umstieg in Amsterdam nicht mitgemacht hat.

Bei mir sind die letzten Tage in Shanghai angebrochen - es gilt die Wohnung aufzulösen und noch einige andere administrative Dinge zu erledigen. Schön, wenn es dann zur Abwechslung auch noch etwas zu Feiern gibt. Heute Abend habe ich die engsten Kollegen zu einem Abschiedsessen eingeladen - nicht nur um meinen Abschied zu feiern, sondern auch unsere gemeinsame Zeit hier und den Erfolg der Prototypen. Schliesslich war das ja keine Einzelleistung, sondern ist vielen Menschen zu verdanken.

Danke auch an all diejenigen, die in der Schweiz und Italien mitgeholfen haben. Es war sicher nicht immer leicht, gerade wegen der schwierigen Situation in unserer Firma - aber es war eine spannende und lehrreiche Zeit. Ich habe es bis jetzt nie bereut, dass ich nach China gegangen bin und ich werde einiges hier vermissen. Aber ich freue mich auf Zuhause und auf neue Herausforderungen.

Sherlock, Letizia, Doris und Kelsen (v. l.) waren nur einige, die mit mir zum Abschied feiern waren









Kitty, Simone, Juca und Rock (v. l.) hatten an meinem Tisch aber auch ihren Spass

22.2.10

Wie der Kaiser von China

Das Wochenende verbrachten wir in Xi'An - der ehemaligen Hauptstadt und Stadt der Terrakotta-Krieger. Für uns war es Verwöhnprogramm pur, logierten wir doch in einem 5-Sterne-Hotel. Wir fühlten uns wie der Kaiser von China oder Gott in Frankreich. Es ging schon damit los, dass wir nach der Schlacht am Frühstücksbuffet kaum mehr in der Lage waren uns zu rühren und definitiv für den Rest des Tages keinen Hunger mehr leiden mussten.

Samstag morgen machten wir uns auf zum Grabmal des Kaisers Qin Shihuangdi (so 250 v. Chr.). Obwohl dem guten Qin ein gewisser Hang zum Wahnsinn nachgesagt wird und seine Methoden wohl zweifelhaft waren, wird er dafür verehrt erstmals das Reich geeinigt zu haben. Bereits zu Lebzeiten liess er sich zum Schutz seines Grabmals die Terrakotta-Krieger schaffen. Und obwohl er dafür nur noch zehn Jahre Zeit hatte, schufen die Handwerker in dieser Zeit über 7000 Krieger, Pferde, Schalen. Mindestens also zwei Krieger pro Tag. Es ist genauso beindruckend wie die Chinesische Mauer - kaum zu beschreiben, man muss es erlebt haben.

Annemarie und Mama vor dem Chinesischen Kaiser Qin, dem man hier durchaus ein wenig den Wahnsinn ansieht














Nach so viel chinesischer Kultur wollten wir uns ein wenig entspannen und unser Hotel geniessen. Bot es doch einen herrlichen Swimmingpool und so schöne weiche Bademäntel.










Die Versuchung war gross einfach liegen zu bleiben. Aber wir entschlossen uns dazu durch die Stadt zu bummeln und der Ausblick auf eine kitschig schön beleuchtete Stadtmauer belohnte uns auch dafür.


Nach einem mehr als reichhaltigen Frühstück am nächsten Morgen, mussten wir die überschüssigen Kalorien wieder los werden. Wir entschieden uns für einen Spaziergang auf der Stadtmauer, der sich als ziemlich lang erwies.
Die Stadtmauer war 13 Kilometer lang, mehr als 12 Meter breit sowie hoch! Oder um es mit Annemaries Worten auszudrücken "Ich glaub's ned, die spinnen doch alle!" Was auch ziemlich gut zur Verbotenen Stadt, dem Himmelstempel, der Chinesischen Mauer und einigen anderen Dinge in China passte.

Zwischendurch musste ich auf unserem Mauer-Spaziergang sogar ein Nickerchen einlegen - vielleicht forderte aber auch das Frühstück sein Tribut





Leider blieb uns am Ende zu wenig Zeit um noch gemütlich durchs muslimische Viertel bummeln zu können! Aber wir haben Xi'An sehr genossen und es ist auf alle Fälle einen Abstecher wert! Jetzt bleiben uns zwei Tage in Shanghai bevor es für Mama und Annemarie zurück Richtung Heimat geht - und die Zeit werden wir sicherlich auch noch geniessen.

19.2.10

Chang Cheng

Nach vier Tagen Stadt ging es heute endlich raus auf's Land. Nachdem wir Dank dem Tipp eines Kollegen einen wirklich netten und günstigen Fahrer gefunden haben, machten wir uns heute Morgen auf Richtung Chinesische Mauer (= Chang Cheng). Die Kalorien der Peking-Ente von gestern Abend wollten schliesslich verbrannt werden. Bei der Überlandfahrt bekamen Mama und Annemarie auch mal einen Eindruck des ländlichen Chinas.

In Mutianyu angekommen warteten auch schon die Souvenirhändler auf uns, die uns lautstark ihren Krempel andrehen wollten. Wir liessen sie links liegen und erklommen stattdessen lieber den Gipfel. Oben angekommen bot sich uns ein unglaublich schöner Ausblick! So weit das Auge reichte schlängelte sich die Mauer auf den Bergkämmen entlang.

Kein Wunder, schliesslich verläuft die Chinesische Mauer auch auf ungefähr 6800 Kilometern quer durch den Norden Chinas. Unglaublich, was die damals schon gebaut haben. Unser Mauerabschnitt stammte aus dem Jahr 1368 und wurde auf den 800 Jahre alten Ruinen der Vorgängermauer aufgebaut.






Es ging ordentlich rauf und runter, aber es war verhältnismässig menschenleer - in China eine Seltenheit. Wir genossen die Sonnenstrahlen und den Ausblick.








Am Abend ging es mit dem Flieger nach Xi'An weiter, wo wir das Wochenende verbringen werden. Heute Mauer, morgen Terrakotta-Krieger - ein Highlight jagt das nächste.

17.2.10

Vogelnest & Teezeremonie

Nach so viel Kultur und alten Tempeln war uns heute der Sinn nach etwas Moderne. Und so stand der Vormittag ganz im Zeichen von Olympia. Das Nationalstadium, auch bekannt als Bird's Nest, hat uns wahnsinnig beeindruckt.

Eine tolle Architektur, die auch von vielen Chinesen bewundert wurde. Im Innern war gar ein Schneepark aufgebaut, auf dem die Kleinen in Schwimmreifen die Rutschbahnen herunter sausten. Aber auch die gesamte Anlage - grossräumig und von einer unendlichen Weite wie Beijing selbst - hat uns sehr beeindruckt.






Aber wir merkten bald, wir waren nicht mehr so windgeschützt wie gestern in der Verbotenen Stadt. Es blies ein frostiger Nordwind und bald waren wir recht durchgefroren. Das Teehaus gegenüber dem Konfuzius-Tempel kam uns da gerade recht.

Xiao Lin (wörtlich Kleiner Wald) erklärte uns liebevoll die verschiedenen Tees und ihre Zubereitungsarten. Es war eine richtige Zeremonie! So erfuhren wir, wie man Kongfu-Tee, Phoenix-Tee und Schwarzen Tee richtig aufgiesst und geniesst.


Für jeden Tee gibt es eine spezielle Tasse. Für den grünen Kongfu-Tee mit Deckel, für den Schwarztee eine steile Tasse und für den Phoenix-Tee gleich zwei. In die hohe Tasse wird der Tee eingeschenkt und dann in die kleine Schale umgegossen. Aus der hohen wird nur das Aroma erschnuppert.

Das Bild des Tages: Mama im Teehaus. Auch der Taxifahrer Herr Yang erkannte sie sofort wieder!







Wir hatten an dem Tag wirklich Glück. Vergass ich doch vor lauter Diskutieren mit dem netten Taxi-Fahrer meine Kamera unter dem Sitz. Glücklicherweise schwatze er uns aber die Rechnung auf und so konnten wir ihn später ausfindig machen. Er brachte die Kamera tatsächlich zurück und erzählte sichtlich stolz, Mama auf dem Fotos wieder erkannt zu haben. Die schien es ihm wirklich angetan zu haben. Und ganz gerührt war Herr Yang, als ich die Pekinger Bürger lobte und wie glücklich ich sei, dass er meine Kamera zurückgebracht hatte.

Zur Feier waren wir in einem hervorragenden Yunnan-Restaurant essen. Bananenblüten-Salat, gebratene Sprossen, gebratenen China-Kohl, Huhn mit Ananas... alles war irrsinnig gut - und mit unglaublich vielen Chili-Schoten versehen.

16.2.10

Hauptstadt des Nordens

Nach einem verregneten Tag in Shanghai sind wir gestern nach Beijing, wörtlich Hauptstadt des Nordens, weitergereist. Die Stadt machte ihrem Namen alle Ehre und empfing uns ziemlich frostig.

Eingepackt in mehrere Lagen haben wir uns heute Morgen zum Tian'an-Men-Platz aufgemacht. Und wir waren nicht die Einzigen. Mindestens eine ganze Kleinstadt stand vor Maos Mausoleum Schlange. Wir liessen uns den Anblick des Sarges entgehen und spazierten stattdessen einmal rund herum.
Maos Mausoleum - ein Muss für jeden Chinesen beim Hauptstadtbesuch

Auf der anderen Seite des riesigen Platzes hängt am Eingang zur Verbotenen Stadt immer noch ein Riesenbildnis vom Vorsitzenden Mao.




Annemarie und ich vor dem Eingang zur Verbotenen Stadt






Auf der Seite des Platzes findet man die Halle des Volkes - Sitz des chinesischen Parlaments



Viele kleine Chinesen waren auch auf dem Platz unterwegs. Und bei vielen Feuerhosen blitzte der Hintern ohne Windel heraus. Genau hinschauen! :)


Weiter ging es für uns in die Verbotene Stadt. Hier kamen wir uns ein wenig wie Ameisen vor - es wuselte und wuselte und wuselte. Chinesen so weit das Auge reichte.
Die Verbotene Stadt war der Amts- und Wohnsitz des Kaisers. 500 Jahre regierten dort die Kaiser der Ming- und Qing-Dynastien. Zutritt hatten nur die Verwandtschaft und hochrangige Beamte. Es muss eine grosse Sippschaft gewesen sein, denn die Anlage ist unüberschaubar: Über 700.000 Quadratmeter Fläche und angebliche 9.999 Zimmer verfügt der Palast.











Verloren in der Verbotenen Stadt



Anschliessend stiegen wir noch auf den JingShan-Hügel nördlich der Verbotenen Stadt. Dort hatten wir einen herrlichen Ausblick auf die ganze Anlage.

Mama und ich im Pavillion am Gipfel des JingShan-Hügels

Und wir drei im Park vor den roten Laternen, die überall in China zum Frühlingsfest aufgehängt werden

14.2.10

KA-WUMM!

Das chinesische Sylvester gestern startete geräuschvoll bereits im Morgengrauen. Punkt 6 Uhr früh schoss einer in der Nachbarschaft ein paar Hundert China-Böller ab und an Schlaf war nicht mehr zu denken. Aber es stimmt, pünktlich zum Frühlingsfest fangen die Knospen an zu blühen.


Auch tagsüber hörten wir es immer wieder knallen. Wir fingen unseren Tag am People's Square an, dem Volksplatz im Herzen Shanghais. Die Oper findet sich dort und auch das Rathaus, ein kommunistischer Bau par excellence. Wir haben dem Urban Planning & Exhibition Center einen Besuch abgestattet. Die Ministadt ist schliesslich ein Muss hier in Shanghai.

In der Urban Planning & Exhibition Hall sieht man Shanghai ganz genau von oben








Annemarie und Mama posieren mit HaiBao, dem Expo-Maskottchen.














Vom Volksplatz aus sind wir weiter Richtung Altstadt gebummelt. Dort wurden Unmengen von Dekorationen fürs neue Jahr verkauft. Tibetische Knoten, Lampions, Tiger-Girlanden - alles, was das chinesische Herz begehrt. Auch wir haben uns ein wenig mit Tiger-Bildern und Lampions eingedeckt.

Weiter ging die Tour durch die Anren Jie, einer wirklich alten Gasse. Wäsche wurde an langen Stangen getrocknet, Mini-Restaurants boten Nudelsuppe und Dim Sum feil, die Läden im Erdgeschoss verkauften allen möglichen Kram.











Später besuchten wir den Stadtgott-Tempel und natürlich auch den "Garten der Zufriedenheit" Yu Yuan. Nicht ohne uns vorher mit einer guten Tasse Tee zu stärken.

Mama beobachte die Kellnerin bei der Tee-Zeremonie

Annemarie und ich geniessen unseren Tee im Shanghai Old Teahouse











Anschliessend besuchten wir den Garten der Zufriedenheit








Und am Abend haben wir selbstverständlich das chinesische Sylvester mitgefeiert. Es krachte nicht erst zu Mitternacht sondern bereits den ganzen Nachmittag. Gegen 12 Uhr wurde das Geknalle immer mehr! Es ging die halbe Nacht so weiter bis auch der schiesswütigste Chinese genug hatte.





Mit Champagner haben wir auf das Jahr des Tigers angestossen! Xian Nian Kuai Le (Frohes Neues Jahr)!