31.5.09

Der chinesische (Fussball-)Drache

Dank des Dragon Boat Festivals war am Donnerstag arbeitsfrei. Mitbekommen hab ich davon nicht viel. Die Läden waren trotzdem offen, ein Drachenboot kam mir auch nicht unter und ausserdem musste ich zu Hause auf Stromabzähler und Gasmonteur warten. Am Freitag, einem ebenfalls freien Brückentag, kam Roman an. Er wird mich hier in technischer Hinsicht bei meinem Projekt unterstützen und bleibt ebenfalls für ein Jahr. Da es sein allerestes Mal in China ist, hab ich ihm erstmal seine Wohnung und die Nachbarschaft gezeigt. Und einen Crashkurs in Chinesisch zum Überleben (bzw. Taxi fahren) hat er auch bekommen.

Am Abend sind wir mit Max ins Shanghai Stadion gegangen, um uns das Freundschaftspiel China-Deutschland anzusehen. Da gehe ich nach 15 Jahren zum ersten Mal wieder zu einem Fussballspiel und dann erlebe ich so ein Trauerspiel. Der Gomez war wohl nicht ganz angekommen, der Spielmacher eine Katastrophe und der Schweinsteiger ist eher lahm am Platz rumgekrochen. Die Vorstellung war bestenfalls bemüht, aber dafür waren die Chinesen beeindruckend gut.

Das Ergebnis von 1:1 war aus deutscher Sicht glücklich. Berechtigterweise durfte ich mir von meinem schweizer und italienischen Kollegen etwas Spott gefallen lassen, wie denn die Nr. 2 der Weltrangliste dermassen schlecht gegen die Nummer 97 aussehen kann. Bei einem Bier hinterher war aber alles schnell wieder vergessen. Wir haben bis spät in die Nacht eine Expat-Kneipe unsicher gemacht und viele andere deutsche Fans haben ordentlich mitgefeiert. Am Samstag war dann dementsprechend nicht mehr viel los.

Tja, und Sonntag war dann ein Arbeitstag, denn wir mussten schliesslich den Brückentag vom Freitag kompensieren. Bis ich das richtig verstanden hab, verging auch ein Weilchen. Und es war auch reichlich komisch den Pfingstsonntag in der Arbeit zu verbringen. Aber mei, das ist halt China und man muss es nehmen wie's kommt.

27.5.09

Geblockter Blog

Seit Tagen bekomme ich Chinas berühmte Internet-Zensur am eigenen Leibe zu spüren: Der Blog ist in China nicht erreichbar. Die Seite wird einfach blockiert - genauso wie auch http://www.youtube.com. Dank eines Zugangs in die Schweiz (per VPN) kann ich aber die Sperre glücklicherweise umgehen und trotzdem bloggen. Es bleibt ein Kopfschütteln.

19.5.09

Das Gesetz der Strasse

Ohne Frage, ein Beitrag über die Eigenarten des chinesischen Strassenverkehrs war schon lange fällig! Die Feinheiten bleiben dem Neuling wohl noch verborgen, aber die "Grundgesetze" sind schnell gelernt:

  1. Der Grössere hat Vortritt: LKW vor Bus, Bus vor Auto, grösseres Auto vor kleinerem, Auto vor Roller, Roller vor Radlfahrer, Radlfahrer vor Fussgänger.
  2. Eine rote Ampel ist nur dann wirklich rot, wenn ein Polizist mit Trillerpfeife in der Nähe ist. Ansonsten kann man sich ja mal vorsichtig reintasten und es gilt im Folgenden wieder Grundsatz Nummer 1. Rechtsabbiegen ist immer erlaubt, auch hier gilt der Grössere hat Vortritt. Wen interessieren schon grüne Fussgänger-Ampeln oder gar Zebrastreifen?
  3. Hupen ist nicht per se böse gemeint, sondern weist andere Verkehrsteilnehmer nur auf die eigene Präsenz und Grösse hin. Erst mehrmaliges und langanhaltendes Hupen drückt Verärgerung aus.
  4. Aus einer vierspurigen Strasse (je 2 pro Richtung) kann je nach Verkehrslage schon mal ein 3:1 oder in seltenen Fällen gar ein 4:0-Verhältnis gemacht werden. Kommt wieder Gegenverkehr auf, quetscht man sich unter Berücksichtigung von Regel 1 wieder auf das 2:2 zurück. Ist diese Gewohnheit absolut unerwünscht, muss eine Pflanzenhecke oder Leitplanke in der Mitte angebracht werden (z. B. auf der Autobahn).
  5. Überholen tut man rechts wie links, auch der Pannenstreifen auf der Autobahn ist als Überholspur zu betrachten.
  6. Mit dem Rechtsfahrgebot hat schon so mancher Deutsche Probleme und glaubt, dass 140 km/h als Daseinsberechtigung auf der linken Spur völlig ausreichen. Warum auch rechts rüberziehen, der auf der mittleren Spur fährt ja auch nicht schneller.
    In China gibt es ein solches Gesetz einfach nicht: Der Laster fährt links, der Bus in der Mitte, der Trekker vielleicht rechts. Das Auto schlängelt sich einfach durch (siehe voriger Punkt).
  7. Obwohl der gegenteilige Eindruck entstehen mag, nehmen alle Verkehrteilnehmer grosse Rücksicht aufeinander.
    Es ist ohne weiteres möglich als Fussgänger eine sechsspurige Strasse zu überqueren. Man wandert einfach von Spur zu Spur und wartet solange bis man eine weiter kann. Natürlich weisen einen alle anderen durch freundliches Hupen auf ihr Kommen und ihre Vorfahrt hin, schliesslich ist ein Fussgänger ja am Ende der Hierarchie. Aber wundern tut sich über eine solche Aktion hier niemand.
  8. Ist man sich über die Richtung noch nicht ganz einig, darf man überall stehenbleiben. Auch auf derAutobahn, wenn man sich über die korrekte Ausfahrt nicht im klaren ist. Es empfiehlt sich die rechte Spur, andere sind aber nicht ausdrücklich verboten. Die Maximal-Geschwindigkeit verhindert wohl schlimmeres.
  9. Erstaunlicherweise halten Chinesen sich an die Obergeschwindigkeit von 120 km/h auf der Autobahn oder 50 km/h in der Stadt recht konsequent. Vielleicht weil Unfälle infolge Raserei von den Gerichten empfindlich bestraft werden.
  10. Herrscht aus irgendeinem Grund Unklarheit, gilt ausschliesslich Regel Nummer 1.
Insgesamt macht der chinesischen Strassenverkehrs aber einen harmonischen und vor allem flexiblen Eindruck. Alles ist im Fluss und schlängelt sich umeinander rum. Im ersten Moment denkt sich der Europäer nur "Vogelwild!!!". Aber es funktioniert nicht schlechter hier als mit unseren streng-regulierten Vorschriften in Europa. Warum nicht eine vierspurige Strasse dem Verkehrsfluss nach Bedarf anpassen? Warum nicht auf dem Pannenstreifen überholen? Warum nicht eine rote Ampel ignorieren, wenn des nächtens eh niemand unterwegs ist? Die Daseinsberechtigung von Zebrastreifen ist mir allerdings noch vollkommen schleierhaft.

14.5.09

Dankeschön!

Danke für all die lieben E-Mails, SMS, Postkarten und sogar Blumen zum Geburtstag! Ich hab mich riesig gefreut und werd versuchen, Euch am Wochenende zu antworten.

Nur soviel: Ich hatte noch einen schönen Tag, war abends ein wenig unterwegs und bin heut müde, aber glücklich. :)

Bis bald...

13.5.09

Purzeltag!

Um Punkt Mitternacht schon das erste Glückwunsch-Mail und morgens ein Weckanruf vom Papa, da fängt so ein Geburtstag ja gut an. Die Sonne strahlt mit mir um die Wette und eine schicke, neue Kette glänzt an meinem Hals. Ich fühl mich pudelwohl in Shanghai, die Arbeit geht heut auch von der Hand - was will man mehr?

Vielleicht den Urban noch hier und endlich eine Kamera, dann wär das Glück wirklich perfekt. Mal sehen, ob ich letzteres heute noch kaufen gehe - wenn ich nicht noch zum Abendessen oder in eine Bar entführt werde. :) Ansonsten erst am Wochenende und dann gibt's auch endlich mehr Bilder auf dem Blog.

8.5.09

Chòu Dòufu

Erkenntnis des heutigen Tages:

Im Gegensatz zu normalen Tofu, der in vielen Gerichten hier auftaucht, besticht die Spezialität "Stinkender Tofu" (chòu dòufu) durch ihren Geruch. Der Name ist Programm - wenn es sogar für Chinesen stinkt, dann ist's für einen Europäer quasi unerträglich. Entgegen der Behauptungen einiger Kollegen hier ("eine Delikatesse", "wunderbar", "lecker") schmeckt dieser Tofu aber als wäre er schon mal verdaut und hinterher in Schwefelwasserstoff eingelegt worden.

Nun, ich hab's probiert. Aber bei dem einen Mal wird's sicher auch bleiben.

5.5.09

Schwedische Gemütlichkeit in Shanghai

Mein erstes Wochenende habe ich mit einem wahren Shopping-Marathon verbracht. Aber es war nicht so entspannend wie man es erwarten möchte.

Nach der Ankunft am Freitag im Hotel bin ich natürlich als allererstes zur Wohnung gefahren. Schliesslich hatte ich sie ja noch nie vorher gesehen (die, die ich mir ausgesucht habe, war dann schon vergeben). Danach wollte ich eigentlich nur den IKEA ausfindig machen und hab doch schon den ersten Schwung eingekauft. In der Wohnung waren zwar Möbel vorhanden, aber alle "Gebrauchsgegenstände" wie Bettzeug, Töpfe, Teller etc. fehlten. Aber daher konnte ich sie auch einrichten wie ich wollte.

Am Samstag war ich dann noch drei Mal beim IKEA - schliesslich konnte ich immer nur zwei blaue Tüten auf einmal tragen. Ab der 2. Tour konnte ich den Taxifahrer schon exakt zur Wohnung lotsen. :) Zwischen den IKEA-Tripps habe ich dann leider je 1-2 Stunden geputzt und als ich am Sonntag nachmittag dann endlich fertig war, hab ich mir als Belohnung ein paar Balkonmöbel gegönnt. Jetzt ist's wirklich perfekt gemütlich und ich freu mich auf Besucher. :)

Hier noch ein paar Bilder: Der grosse Wohn-/Essbereich...












... das Bad ...

... die Küche, die man lustigerweise durch das Bad betreten muss...










... und das Beste kommt zum Schluss: Die Aussicht vom Balkon.

1.5.09

Tag 1

Pünktlich gelandet. Bisschen zerknittert dem Flieger entstiegen. 25 Grad und Sonnenschein, hier ist Sommer! Auf dem Boden der Tatsachen gelandet, weil das Gepäck nicht mitangekommen ist! Viel diskutiert und schliesslich ohne Koffer von dannen gezogen. Vom Fahrer ins Hotel gebracht worden und die Wohnungsschlüssel bekommen. So, jetzt erstmal duschen, die Wohnung begutachten und dann mit einem Glas Wein auf das China-Abenteuer anstossen!