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30.11.09

Ein kulinarischer Beitrag...

Lange schon war er fällig - der Beitrag über die kulinarischen Erlebnisse in China. Aber den endgültigen Anstoss gab heute ein Artikel über die Seegurke - in China als "Ginseng des Meeres" verehrt und mit 900 Euro pro Kilo wirklich schweineteuer. Der SZ-Autor singt ein Loblied auf die Delikatesse und beschreibt sie gleichzeitig mit den Worten "Sie riechen nicht gut. Sie sehen auch nicht gut aus. Erst recht nicht, wenn man sie mit dem Messer öffnet."
Das hat mich an so manche kulinarische "Köstlichkeit" erinnert, der ich hier über den Weg lief. Meine persönlichen Top 3:

  1. Die Schildkrötensuppe
    Ein typischer Lieferantenbesuch. Einige Stunden Anreise gefolgt von einem Rundgang durch die Werkstatt. Bevor es zum eigentlichen Geschäft kommt, muss ein Chinese erstmal einen vollen Bauch haben und wir fuhren zum Mittagessen. Dieser Lieferant meinte es besonders gut und wollte unbedingt mit uns ins Geschäft kommen. Immer wenn es ein Lieferant beim Essen besonders gut meint, dann bedeutet das für mich meistens nichts Gutes.
    Herein getragen wurde also eine Schüssel in der ein Panzer schwamm. Kollege Rock wurde völlig aufgeregt angesichts dieser Köstlichkeit. Wie teuer eine Schildkröte doch sei. Der Panzer wurde umgedreht: Er war leer, die Schildkröte schwamm kleingehackt in ihrer Suppe. Rock schaufelte mir sofort meine Suppenschale voll und geriet ins Schwärmen. Ich dachte mir "Also gut. Bevor Du's nicht probiert hast, kannst Du auch nicht behaupten, dass es Dir nicht schmeckt." Die Suppe roch gut, ich fischte mit meinem Stäbchen nach dem ersten Stück und schaute es an... und die Schildkröte schaute zurück.
    Ich hatte in meiner Schale den Kopf erwischt. Na, bravo! Ich liess den Kopf zurück in die Suppe gleiten - aber Kollege Rock guckte immer noch erwartungsvoll. Also, ein zweiter Versuch, der sah schon besser aus. Vielleicht war das nur ein Fuss. Ich führte das Stück an die Lippen, die Haut schimmerte schwarz-grün. Ich konnte beim besten Willen nicht mehr abbeissen, es grauste mir zu sehr. Ich murmelte etwas von "Sehr interessant" und schlürfte die Suppe. Um wenigstens noch was Positives über die arme Schildkröte zu sagen: Die Suppe von ihr war wirklich gut.


  2. Zunge, Austern und Bordeaux
    Das war zugebenermassen schon vor eineinhalb Jahren. Es war mein erster Abend an meinem ersten Chinatrip. Wir kamen morgens an und gingen direkt ins Büro. Ich war total fertig vom Jetlag. Abends gingen wir Teppanyaki essen: Eine Kochfläche ist in den Tisch eingelassen, man sitzt gemütlich rundum und schaut dem Koch zu. Und bekommt nach und nach diverse Kleinigkeiten serviert. Eigentlich hervorragende japanische Küche, die ich heute noch gerne geniesse.
    Es ging aber bald los, dass die Mädels rund um mich kicherten. Und bald kam die Frage, ob ich wüsste, was ich da gerade essen würde. Und ich fragte zurück, ob ich das denn wissen wolle? Grosses Gekicher und nach einigem Hin und Her, stellte es sich als Kuhzunge raus. Davor hat's besser geschmeckt.
    Es ging weiter und irgendwann landete dann noch etwas Muschelartiges auf meinem Teller. Ziemlich gross. Da ich noch ungeübt mit Stäbchen war, blieb mir nichts anderes übrig als zu versuchen irgendwie abzubeissen. Und es war wirklich das Allerwiderlichste, auf das ich jemals gebissen habe! Nur war jetzt eine Hälfte schon in meinem Mund und ich wollte es nicht ausspucken. Ich wollte doch am ersten Abend einen guten Eindruck machen. Also blieb mir nichts anderes übrig als das mit einem Riesenschluck Rotwein runterzuspülen. Fast hätt ich mich verschluckt, die Augen traten vor und ein paar Tränen kullerten... und dann sah ich wie ein paar Stühle weiter einfach jemand etwas auf den Tisch spukte. Inzwischen weiss ich, in China ist das völlig normal und kein Mensch sich darüber wundert.


  3. Die Schlange und die Singvögel
    Mal wieder ein Lieferantenbesuch, das Geschäft war schon lange abgeschlossen und ich wollte noch technische Abklärungen mit meinem Ingenieur Roman besprechen. Der Lieferant zeigte uns erst seine neuen Produktionsräume, dann ging es Richtung Restaurant und er fragt uns ob wir schon jemals Schlange hatten. Kollege Roman schreit begeistert "Nein, noch nie." und ich denke mir mal wieder "Na, bravo!" Einige Gerichte wurden aufgetragen, darunter auch kleine Singvögel am Stück (der Kopf war noch dran, die Federn nicht mehr), besser mal den Drehtisch weiterfahren lassen und zu den Fischstäbchen greifen. Und während ich auf so einem recht grätigen Stück rumkaute, fragte mich der Lieferant, ob die Schlange denn auch gut sei... Na bravo, da hatte ich ja wieder mal das Richtige erwischt.
Auch probiert, aber nicht in den Top 3 vertreten: "Entenwürstel" alias Entendarm, "spezielle Meeresfrucht" alias Kutteln, Eselfleisch, Stinkender Tofu... verweigert hab ich dafür Schweinehirn und Frosch am Stück.

19.11.09

Es wird Winter in Shanghai...

Während Eva und ich vor zwei Wochen noch im T-Shirt durch die Stadt liefen und bestenfalls mal einen Pullover gebraucht haben, wurde es in der Woche danach erst regnerisch und letzte Woche dann richtig kalt. Inzwischen haben wir um die 5 Grad und es weht eine eisige Brise vom Meer.


Am Wochenende hat man das Gefühl, man möchte gar nicht aus dem Bett raus (vor allem wenn einem ein schnurrendes Etwas die Füsse wärmt). Und so haben Nella und ich den Samstag fernsehschauend und lesend im Bett verbracht. Herrlich! Damit wir zumindenst ned das ganze Wochenende faul sind, sind die Nella und ich heute zum Amtstierarzt gefahren. Sie braucht nämlich noch Chip, Tollwutimpfung und irgendso ne allgemeine Impfung.

Im Aufzug auf dem Weg, wusste sie noch nicht so recht, was los ist.

Im Taxi wurde sie schon mutiger und fast wär uns schlecht geworden...

... weil wir das miefigste Taxi in ganz Shanghai erwischt haben. Boah, war das übel.

Beim Tierarzt selber gab's dann grossen Katzenjammer. Besonders liebevoll waren die nämlich nicht. Meine deutsche Tierärtzin hier konnte der Nella ohne Probleme eine Spritze verpasst. Beim Amtstierarzt hat ihr eine die Hinterbeine festgehalten, einer die Vorderbeine und der Dritte hat's immer noch ned geschafft, ihr eine Spritze zu geben. Es war dann tatsächlich eine Halskrause nötig - tja, das Vieh hat eben Biss! Und ich war kurz davor, die drei Vollpfosten aus dem Raum zu schmeissen, weil die arme Kleine wie am Spiess geschrien hat. Nach 10 Minuten waren wir Gott sei Dank wieder draussen und werden den Amtstierarzt nur noch aufsuchen, wenn es sein muss.

Belohnt haben wir den Vierbeiner anschliessend mit Whiskas-Leckerlis und den Zweibeiner mit einem grossen Milchkaffee und Muffin beim Starbucks. Ach, Starbucks-Kaffee schmeckt einfach herrlich schön nach Sonntag.

Später am Nachmittag war ich dann noch bei meinem Lieblingsbäcker "Paul", der das beste Brot in ganz Shanghai anbietet.

Und beim anschliessenden Besuch im Supermarkt hab ich das Trocken-Huhn im Ganzen mal lieber links liegen gelassen...

... und stattdessen die Import-Ecke geplündert. :)

Und weil's gar so kalt ist, packen mich auch dieses Jahr wieder Oma Luises Gene und ich habe mich doch glatt mit Strickzeug eingedeckt! Mal sehen, was und ob's was wird.

4.11.09

Der Himmel den Bayern

Manchmal liegt das Glück so nah. Nur eine Taxifahrt nach Pudong entfernt, im Paulaner. Das Glück heisst "Hausgemachter Würstlschmaus mit Sauerkraut und Kartoffelpüree". Kein Scherz! Dazu noch zwei Weissbier (die Mass im Bild gehört Roman) und ein paar Brezen, die mit bayrischen leider nicht mithalten können. Aber 8000 km Entfernung lassen einen da ned so wählerisch sein und der Würstlschmaus hat's wett gemacht. Kugelrund und glücklich verabschiede ich mich nun in die Federn.

6.6.09

Hot Pot

Vergangene Woche war ich drei Tage in Chongqing [tschong'sching] in Zentralchina auf Lieferantensuche. Chongqing ist bekannt für seine hübschen Mädchen und sein feuriges Essen. Und alle lieben Hot Pot - inklusive mir. Im Wesentlichen ist es Fondue, nur ein wenig kreativer. Man teilt sich einen Supptentopf oder jeder bestellt seine eigene Suppe in einem kleinen Topf. Meine "low spicy Sichuan soup" stellte sich als gerade noch magenschleimhaut-verträglich heraus. Die Suppe meines lokalen Kollegen mutete gar tödlich an, war sie doch mindestens dreimal so scharf und noch mit Chilischoten nachgewürzt.


Mit Roman, Tiger und Mr. Huang vom unserem Büro in Chongqing beim Hot Pot

In den Topf kommt von Fleisch und Fisch über Nudeln, Salatblätter und Gemüse eigentlich alles Essbare. Und hier fängt das Problem an: Chinesen essen ja vieles. Einzig Hund bestellen sie im Beisein von Europäer nicht, beim Rest wird ganz normal bestellt. Um unsere Scheu zu überwinden, wird es uns Langnasen dann mit einem appetitlicheren Label verkauft. So habe ich Meeresfrucht und Entenwürstel probiert, die sich dann als Kutteln (alias Meeresfrucht) und Entendarm herausstellten. Beides war aus meiner Sicht einfach nur zäh und ohne grossen Eigengeschmack.

Beim speziellen Tofu allerdings wurde ich skeptisch, sah es bereits im Rohzustand allzu widerlich und glitschig aus. Meine Experimentierfreudigkeit war für diese Reise auch erschöpft. Als der spezielle Tofu aus dem Hot Pot gekocht wieder auftauchte, sah es schon verdammt nach Hirn aus. Es stellte sich auch als Schweinehirn heraus, von denen mein Kollege Rock mit dem grössten Vergnügen gleich zwei verputzte.

8.5.09

Chòu Dòufu

Erkenntnis des heutigen Tages:

Im Gegensatz zu normalen Tofu, der in vielen Gerichten hier auftaucht, besticht die Spezialität "Stinkender Tofu" (chòu dòufu) durch ihren Geruch. Der Name ist Programm - wenn es sogar für Chinesen stinkt, dann ist's für einen Europäer quasi unerträglich. Entgegen der Behauptungen einiger Kollegen hier ("eine Delikatesse", "wunderbar", "lecker") schmeckt dieser Tofu aber als wäre er schon mal verdaut und hinterher in Schwefelwasserstoff eingelegt worden.

Nun, ich hab's probiert. Aber bei dem einen Mal wird's sicher auch bleiben.