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15.7.09

Und täglich grüsst...

... der Busfahrer. Nun ja, nicht täglich - aber von Montag bis Freitag verbringe ich knappe 3 Stunden am Tag beim Busfahren. Die Zeit vergeht mit Kaffee trinken, Zeitung lesen, diversen Nickerchen, Musik hören oder telefonieren eigentlich ganz gut. Aber manchmal zieht es sich dann auch wiederum ganz schön. Und so sieht ein typischer Arbeits-Morgen von mir aus:

Herrje, schon 7 Uhr? Nix wie ab aus dem Haus!


Erst noch schnell auf dem Weg einen Ka-Pu-Tschi-No und eine Zeitung holen.

Dann sieht der Morgen doch gleich besser aus.

Vorbei am Mann, der Fahrräder und Mopeds repariert. Er hatte wohl einen anstrengenden Tag gestern und schläft auch noch. Seine "Werkstatt" ist übrigens in einem Bushaltehäuschen untergebracht. Ob er wohl Miete zahlen muss?










Vorbei an der Baustelle auf der Tag und Nacht gearbeitet wird und die den EXPO-Slogan "Better City, Better Life" verkündet.

Ah, da steht er ja schon. Nach etwa 20 Minuten ist der Bus erreicht.


Um Punkt 7:25 Uhr machen wir uns auf den Weg...
Stadteinwärts hat es bereits Stau.


Kollege Roman ist auch schon da! Und ich geniesse jetzt erstmal die "Shanghai Daily" und den Cappuccino.











Vorbei an einem Vergüngungspark erreichen wir nach ca. 45 Minuten einen Gegend, die schon ganz anders aussieht als die Metropole Shanghai.





Eindrücke aus der Nachbarschaft: Ein Drive-In-Frühstücksimbiss, eine Fritierbude und Wassermelonen soweit das Auge reicht.



Wir kommen auch an unendlich vielen Reisfelder vorbei. Auf halber Strecke treffen wir dann noch den anderen Firmen-Shuttlebus, der in unsere zweite Produktion fährt. Einige Leute wechseln hier den Bus.



Links ein schöner Beweis der chinesischen Verkehrsflexibilität. Die Strasse wird auf ein 1:3-Spurenverhältnis angepasst. Aber wir erreichen doch noch sicher nach gut eineinhalb Stunden die Dongxing Lu.


Endlich angekommen in unserem schönen grünen Gebäude.




Und um kurz vor 9 Uhr kann ich meinen Arbeitstag beginnen...

19.5.09

Das Gesetz der Strasse

Ohne Frage, ein Beitrag über die Eigenarten des chinesischen Strassenverkehrs war schon lange fällig! Die Feinheiten bleiben dem Neuling wohl noch verborgen, aber die "Grundgesetze" sind schnell gelernt:

  1. Der Grössere hat Vortritt: LKW vor Bus, Bus vor Auto, grösseres Auto vor kleinerem, Auto vor Roller, Roller vor Radlfahrer, Radlfahrer vor Fussgänger.
  2. Eine rote Ampel ist nur dann wirklich rot, wenn ein Polizist mit Trillerpfeife in der Nähe ist. Ansonsten kann man sich ja mal vorsichtig reintasten und es gilt im Folgenden wieder Grundsatz Nummer 1. Rechtsabbiegen ist immer erlaubt, auch hier gilt der Grössere hat Vortritt. Wen interessieren schon grüne Fussgänger-Ampeln oder gar Zebrastreifen?
  3. Hupen ist nicht per se böse gemeint, sondern weist andere Verkehrsteilnehmer nur auf die eigene Präsenz und Grösse hin. Erst mehrmaliges und langanhaltendes Hupen drückt Verärgerung aus.
  4. Aus einer vierspurigen Strasse (je 2 pro Richtung) kann je nach Verkehrslage schon mal ein 3:1 oder in seltenen Fällen gar ein 4:0-Verhältnis gemacht werden. Kommt wieder Gegenverkehr auf, quetscht man sich unter Berücksichtigung von Regel 1 wieder auf das 2:2 zurück. Ist diese Gewohnheit absolut unerwünscht, muss eine Pflanzenhecke oder Leitplanke in der Mitte angebracht werden (z. B. auf der Autobahn).
  5. Überholen tut man rechts wie links, auch der Pannenstreifen auf der Autobahn ist als Überholspur zu betrachten.
  6. Mit dem Rechtsfahrgebot hat schon so mancher Deutsche Probleme und glaubt, dass 140 km/h als Daseinsberechtigung auf der linken Spur völlig ausreichen. Warum auch rechts rüberziehen, der auf der mittleren Spur fährt ja auch nicht schneller.
    In China gibt es ein solches Gesetz einfach nicht: Der Laster fährt links, der Bus in der Mitte, der Trekker vielleicht rechts. Das Auto schlängelt sich einfach durch (siehe voriger Punkt).
  7. Obwohl der gegenteilige Eindruck entstehen mag, nehmen alle Verkehrteilnehmer grosse Rücksicht aufeinander.
    Es ist ohne weiteres möglich als Fussgänger eine sechsspurige Strasse zu überqueren. Man wandert einfach von Spur zu Spur und wartet solange bis man eine weiter kann. Natürlich weisen einen alle anderen durch freundliches Hupen auf ihr Kommen und ihre Vorfahrt hin, schliesslich ist ein Fussgänger ja am Ende der Hierarchie. Aber wundern tut sich über eine solche Aktion hier niemand.
  8. Ist man sich über die Richtung noch nicht ganz einig, darf man überall stehenbleiben. Auch auf derAutobahn, wenn man sich über die korrekte Ausfahrt nicht im klaren ist. Es empfiehlt sich die rechte Spur, andere sind aber nicht ausdrücklich verboten. Die Maximal-Geschwindigkeit verhindert wohl schlimmeres.
  9. Erstaunlicherweise halten Chinesen sich an die Obergeschwindigkeit von 120 km/h auf der Autobahn oder 50 km/h in der Stadt recht konsequent. Vielleicht weil Unfälle infolge Raserei von den Gerichten empfindlich bestraft werden.
  10. Herrscht aus irgendeinem Grund Unklarheit, gilt ausschliesslich Regel Nummer 1.
Insgesamt macht der chinesischen Strassenverkehrs aber einen harmonischen und vor allem flexiblen Eindruck. Alles ist im Fluss und schlängelt sich umeinander rum. Im ersten Moment denkt sich der Europäer nur "Vogelwild!!!". Aber es funktioniert nicht schlechter hier als mit unseren streng-regulierten Vorschriften in Europa. Warum nicht eine vierspurige Strasse dem Verkehrsfluss nach Bedarf anpassen? Warum nicht auf dem Pannenstreifen überholen? Warum nicht eine rote Ampel ignorieren, wenn des nächtens eh niemand unterwegs ist? Die Daseinsberechtigung von Zebrastreifen ist mir allerdings noch vollkommen schleierhaft.