28.6.09

Sheshan & Zhu Jia Jiao

Man könnte den Eindruck bekommen, ich käme vor lauter Arbeit zu gar nichts. Aber am Wochenende bleibt dann noch ein wenig Zeit für andere Dinge und ein wenig Abstand von der Grossstadt.

Und so war ich vergangenes Wochenende mit Arbeitskollege Max und dessen Freundin Carla im Shanghaier Umland unterwegs.

Erstes Ziel war Sheshan, der mit 100 Metern (man fasst es kaum) höchste "Berg" weit und breit. Auf dessen Gipfel steht die Kathedrale der Heiligen Mutter, die auch gut und gerne in Europa stehen könnte. Sie ist der Sommersitz des Bischofs von Shanghai und dass sie die Kulturrevolution überlebt hat, kommt wohl einem Wunder gleich.

Himmlische Ruhe in der Kathedrale - der Aufpasser lässt sich durch nichts bei seinem Nickerchen stören.


Auf dem Abstieg kamen wir an einer traditionelleren Pagode vorbei...

...und ich konnte es mir nicht nehmen lassen, mal auf einem chinesischen Granitpferd zu sitzen.













Hinterher ging es weiter nach Zhu Jia Jiao, einem Städtchen aus der Ming- und Qing-Dynastie (14. Jahrhunert). Während in Shanghai ja gerne alles Alte abgerissen wird, findet man hier noch authentische kleine Häuser, verschlugende Kanäle und sogar Gondolieri.



Auf der Fansheng-Brücke (Brücke zur Freilassung) bieten alte Frauen Goldfische in kleinen Plastiksäcken feil. Gegen einen kleinen Betrag kann man einen solchen Sack erwerben und die Fische zurück ins Wasser werfen. Nach einem alten buddhistischen Brauch bringt das angeblich Glück.




Auch gibt es unzählige Teehäuser und kleine Restaurants in dem Städtchen. Die lokale Spezialität sind Zhongzi (in Blätter gewickelte Reisbälle) und Schweinshaxen. Aber ich bin dann lieber beim Tee geblieben.

24.6.09

On The Road

Jetzt wird's schön langsam sehr ernst im Projekt. Für die meisten Teile habe ich schon potentielle Lieferanten, aber teilweise ziehen sich die Verhandlungen schon sehr. Nicht dass ich da in Europa sehr viel Erfahrung hätte, aber hier ist's erst recht anders. Daher bin ich im Moment leider ziemlich beschäftigt, aber als Trost gibt's ein Foto von unterwegs.

Mit Sherlock und Max (mit Schlafdefizit auf der Rückbank) auf dem Weg zurück von einem Lieferanten

20.6.09

Die Zeit verrinnt

Jetzt bin ich schon sieben Wochen in China, in sechs Wochen geht's bereits für den ersten Zwischenstop nach Hause! Es ist mir ein Rätsel, wo die Zeit geblieben ist.
Nun, ein Grund ist sicher, dass es jetzt in der Arbeit hoch her geht. Das Projekt läuft auf Volldampf und ich kann hoffentlich bald die ersten Verträge abschliessen. Nächste Woche kommen beide Chefs - direkter wie Oberboss - das gibt dann nochmal den letzten Schub.

Daher muss das Wochenende dringend der Erholung dienen und wo entspannt sich frau mehr als beim Scho Ping? ;) Ein Abstecher auf den legendären Kleidermarkt war längst fällig und nun lass ich mir für Julias Hochzeit ein Seidenkostüm schneidern. Wie ich's Dir versprochen hab, Julia! Ich hoffe, dass das Resultat gut ist und dass ich mir vor lauter Wahlmöglichkeiten nicht die unmöglichste Farbe rausgesucht habe. Aber bei 640 RMB (ca. 70 €) für ein Seiden-Kleid mit Jacke kann man sich auch öfter was machen lassen!

Und ansonsten? 32 Grad im Schatten dämpfen die Vorfreude auf Juli und August empfindlich. Kollege Roman ist jetzt richtig angekommen und beschreibt seine Erlebnisse hier. Gut, dass sich nicht all unserer Abenteuer gleichen - insbesondere das im Carrefour.

6.6.09

Hot Pot

Vergangene Woche war ich drei Tage in Chongqing [tschong'sching] in Zentralchina auf Lieferantensuche. Chongqing ist bekannt für seine hübschen Mädchen und sein feuriges Essen. Und alle lieben Hot Pot - inklusive mir. Im Wesentlichen ist es Fondue, nur ein wenig kreativer. Man teilt sich einen Supptentopf oder jeder bestellt seine eigene Suppe in einem kleinen Topf. Meine "low spicy Sichuan soup" stellte sich als gerade noch magenschleimhaut-verträglich heraus. Die Suppe meines lokalen Kollegen mutete gar tödlich an, war sie doch mindestens dreimal so scharf und noch mit Chilischoten nachgewürzt.


Mit Roman, Tiger und Mr. Huang vom unserem Büro in Chongqing beim Hot Pot

In den Topf kommt von Fleisch und Fisch über Nudeln, Salatblätter und Gemüse eigentlich alles Essbare. Und hier fängt das Problem an: Chinesen essen ja vieles. Einzig Hund bestellen sie im Beisein von Europäer nicht, beim Rest wird ganz normal bestellt. Um unsere Scheu zu überwinden, wird es uns Langnasen dann mit einem appetitlicheren Label verkauft. So habe ich Meeresfrucht und Entenwürstel probiert, die sich dann als Kutteln (alias Meeresfrucht) und Entendarm herausstellten. Beides war aus meiner Sicht einfach nur zäh und ohne grossen Eigengeschmack.

Beim speziellen Tofu allerdings wurde ich skeptisch, sah es bereits im Rohzustand allzu widerlich und glitschig aus. Meine Experimentierfreudigkeit war für diese Reise auch erschöpft. Als der spezielle Tofu aus dem Hot Pot gekocht wieder auftauchte, sah es schon verdammt nach Hirn aus. Es stellte sich auch als Schweinehirn heraus, von denen mein Kollege Rock mit dem grössten Vergnügen gleich zwei verputzte.