19.7.09

Nella im Glück

Am Dienstag ist uns in der Firma eine kleine Katze zugelaufen. Herzzereissend hat sie miaut und ganz klein war sie. Irgendwann hat sie jemand in eine Papierkiste gesetzt und ihr etwas Milch gegeben. Von da an lebte sie mit ihrem Karton neben dem Haus der Wachmannschaft am Firmeneingang. Am Freitag sah das arme Ding so mitgenommen aus (siehe rechts), dass ich ihr einen Tierarztbesuch und eine neue wasserdichte Behausung spendieren wollte. Eine weitere Woche hätte sie so garantiert nicht überlebt. Mein Plan war, sie ein wenig aufpäppeln zu lassen und sie anschliessend in der Firma weiter zu versorgen.


Kollege Max (mit Auto und Chinesisch-Kenntnissen) war schnell überredet, mich samt Katze dort hin zu bringen. Die Tierärztin und ihre Mädels waren etwas schockiert, mit welchem Fellbündel wir dort ankamen. Aber nach die Kleine mal gebadet war, eine Spritze und Entwurmung hinter sich hatte, sah sie gleich viel besser aus. Auch wenn das Herz arg "bumperte" und sie sich nur bei Max verkriechen wollte. Die Tierärztin hat uns dann aber auch klar gemacht, dass sie erst 2 Wochen alt ist und noch nicht alleine überleben kann. Und dass noch gar nicht sicher ist, ob sie überhaupt die nächsten 4 Wochen überlebt.

Tja, und nun teilen sich Max, mein Schweizer Kollege Roman und ich das "Sorgerecht" und kümmern uns abwechselnd um sie. Wir haben sie "Fortunella" oder kurz "Nella" getauft, weil sie offensichtlich Glück hatte und sich die richtige Firma ausgesucht hat. Und dass sie überlebt hat ist auch ein kleines Wunder: Die Ratten, die so rund um unsere Firma leben, dürften gut das doppelte Kampfgewicht der Kleinen aufweisen.

Wenn sie jetzt noch Glück hat - woran ich fest glaube - und den nächsten Monat auch überlebt, dann können wir sie irgendwann wieder als Firmenkatze halten, oder hier in der Shanghaier Tiervermittlung anmelden oder sie in meiner Nachbarschaft leben lassen, wo die Katzen allabendlich an der Hecke gefüttert werden. Da finden wir dann schon eine Lösung.

Erstmal schauen wir, dass sie morgen ihre Milch trinkt, viel isst und dann auch brav ihr Geschäft macht. Nachdem wir uns schon Sorgen machten, weil sie einen Tag lang absolut nichts hinterlassen hat, fanden wir heute Nachmittag des Rätsels Lösung. Das Katzenklo war noch nicht installiert und ohne so ein bisschen Kies zum Verscharren, wollte Madame absolut nicht. Zwei Wochen alt und ohne Aufwand schon stubenrein. Es geht gut los.




Das sieht die Welt schon besser aus - frisch gebadet, in neuem Körbchen und mit einer Spielzeug-Maus, die fast grösser ist als man selbst.

16.7.09

Supersize Me!

Nach einer halben Ewigkeit des grossen Faulenzens habe ich beschlossen, es mal wieder mit Sport zu versuchen und den inneren Schweinehund zu überwinden. Dafür braucht man natürlich ein dementsprechendes Outfit und so war ich am Wochenende shoppen! (Nein, das meinte ich noch nicht mit Sport.)
Erfüllend war es leider weniger: Die Qual der Wahl blieb mir nämlich nicht, sondern eher die Frage, was passt überhaupt. Nach langem Suchen fanden sich zwei passable T-Shirts in XL. Tja, und beim Hosenangebot der Damen-Abteilung fiel die eine Hälfte durch absolute geschmackliche Entgleisung aus. Und in die andere Hälfte bekäme ich nicht mal mein Wadl geschweige denn den Hintern rein. Es half nichts, ich musste in der Männer-Abteilung suchen gehen und wurde fündig: Aber auch hier rangiere ich schon in der Grössenordnung "Medium". Nun, schmeichelhaft ist etwas anderes, aber vielleicht der endgültige Tritt für den Schweinehund.

Bei den Schuhen erging es mir dann wie Kollege Roman, der versucht bisher auch vergebens etwas in seiner Grösse zu finden. Hier geht die Odysee wohl noch weiter und ich muss noch ein paar Läden aufsuchen.

15.7.09

Und täglich grüsst...

... der Busfahrer. Nun ja, nicht täglich - aber von Montag bis Freitag verbringe ich knappe 3 Stunden am Tag beim Busfahren. Die Zeit vergeht mit Kaffee trinken, Zeitung lesen, diversen Nickerchen, Musik hören oder telefonieren eigentlich ganz gut. Aber manchmal zieht es sich dann auch wiederum ganz schön. Und so sieht ein typischer Arbeits-Morgen von mir aus:

Herrje, schon 7 Uhr? Nix wie ab aus dem Haus!


Erst noch schnell auf dem Weg einen Ka-Pu-Tschi-No und eine Zeitung holen.

Dann sieht der Morgen doch gleich besser aus.

Vorbei am Mann, der Fahrräder und Mopeds repariert. Er hatte wohl einen anstrengenden Tag gestern und schläft auch noch. Seine "Werkstatt" ist übrigens in einem Bushaltehäuschen untergebracht. Ob er wohl Miete zahlen muss?










Vorbei an der Baustelle auf der Tag und Nacht gearbeitet wird und die den EXPO-Slogan "Better City, Better Life" verkündet.

Ah, da steht er ja schon. Nach etwa 20 Minuten ist der Bus erreicht.


Um Punkt 7:25 Uhr machen wir uns auf den Weg...
Stadteinwärts hat es bereits Stau.


Kollege Roman ist auch schon da! Und ich geniesse jetzt erstmal die "Shanghai Daily" und den Cappuccino.











Vorbei an einem Vergüngungspark erreichen wir nach ca. 45 Minuten einen Gegend, die schon ganz anders aussieht als die Metropole Shanghai.





Eindrücke aus der Nachbarschaft: Ein Drive-In-Frühstücksimbiss, eine Fritierbude und Wassermelonen soweit das Auge reicht.



Wir kommen auch an unendlich vielen Reisfelder vorbei. Auf halber Strecke treffen wir dann noch den anderen Firmen-Shuttlebus, der in unsere zweite Produktion fährt. Einige Leute wechseln hier den Bus.



Links ein schöner Beweis der chinesischen Verkehrsflexibilität. Die Strasse wird auf ein 1:3-Spurenverhältnis angepasst. Aber wir erreichen doch noch sicher nach gut eineinhalb Stunden die Dongxing Lu.


Endlich angekommen in unserem schönen grünen Gebäude.




Und um kurz vor 9 Uhr kann ich meinen Arbeitstag beginnen...

28.6.09

Sheshan & Zhu Jia Jiao

Man könnte den Eindruck bekommen, ich käme vor lauter Arbeit zu gar nichts. Aber am Wochenende bleibt dann noch ein wenig Zeit für andere Dinge und ein wenig Abstand von der Grossstadt.

Und so war ich vergangenes Wochenende mit Arbeitskollege Max und dessen Freundin Carla im Shanghaier Umland unterwegs.

Erstes Ziel war Sheshan, der mit 100 Metern (man fasst es kaum) höchste "Berg" weit und breit. Auf dessen Gipfel steht die Kathedrale der Heiligen Mutter, die auch gut und gerne in Europa stehen könnte. Sie ist der Sommersitz des Bischofs von Shanghai und dass sie die Kulturrevolution überlebt hat, kommt wohl einem Wunder gleich.

Himmlische Ruhe in der Kathedrale - der Aufpasser lässt sich durch nichts bei seinem Nickerchen stören.


Auf dem Abstieg kamen wir an einer traditionelleren Pagode vorbei...

...und ich konnte es mir nicht nehmen lassen, mal auf einem chinesischen Granitpferd zu sitzen.













Hinterher ging es weiter nach Zhu Jia Jiao, einem Städtchen aus der Ming- und Qing-Dynastie (14. Jahrhunert). Während in Shanghai ja gerne alles Alte abgerissen wird, findet man hier noch authentische kleine Häuser, verschlugende Kanäle und sogar Gondolieri.



Auf der Fansheng-Brücke (Brücke zur Freilassung) bieten alte Frauen Goldfische in kleinen Plastiksäcken feil. Gegen einen kleinen Betrag kann man einen solchen Sack erwerben und die Fische zurück ins Wasser werfen. Nach einem alten buddhistischen Brauch bringt das angeblich Glück.




Auch gibt es unzählige Teehäuser und kleine Restaurants in dem Städtchen. Die lokale Spezialität sind Zhongzi (in Blätter gewickelte Reisbälle) und Schweinshaxen. Aber ich bin dann lieber beim Tee geblieben.

24.6.09

On The Road

Jetzt wird's schön langsam sehr ernst im Projekt. Für die meisten Teile habe ich schon potentielle Lieferanten, aber teilweise ziehen sich die Verhandlungen schon sehr. Nicht dass ich da in Europa sehr viel Erfahrung hätte, aber hier ist's erst recht anders. Daher bin ich im Moment leider ziemlich beschäftigt, aber als Trost gibt's ein Foto von unterwegs.

Mit Sherlock und Max (mit Schlafdefizit auf der Rückbank) auf dem Weg zurück von einem Lieferanten

20.6.09

Die Zeit verrinnt

Jetzt bin ich schon sieben Wochen in China, in sechs Wochen geht's bereits für den ersten Zwischenstop nach Hause! Es ist mir ein Rätsel, wo die Zeit geblieben ist.
Nun, ein Grund ist sicher, dass es jetzt in der Arbeit hoch her geht. Das Projekt läuft auf Volldampf und ich kann hoffentlich bald die ersten Verträge abschliessen. Nächste Woche kommen beide Chefs - direkter wie Oberboss - das gibt dann nochmal den letzten Schub.

Daher muss das Wochenende dringend der Erholung dienen und wo entspannt sich frau mehr als beim Scho Ping? ;) Ein Abstecher auf den legendären Kleidermarkt war längst fällig und nun lass ich mir für Julias Hochzeit ein Seidenkostüm schneidern. Wie ich's Dir versprochen hab, Julia! Ich hoffe, dass das Resultat gut ist und dass ich mir vor lauter Wahlmöglichkeiten nicht die unmöglichste Farbe rausgesucht habe. Aber bei 640 RMB (ca. 70 €) für ein Seiden-Kleid mit Jacke kann man sich auch öfter was machen lassen!

Und ansonsten? 32 Grad im Schatten dämpfen die Vorfreude auf Juli und August empfindlich. Kollege Roman ist jetzt richtig angekommen und beschreibt seine Erlebnisse hier. Gut, dass sich nicht all unserer Abenteuer gleichen - insbesondere das im Carrefour.

6.6.09

Hot Pot

Vergangene Woche war ich drei Tage in Chongqing [tschong'sching] in Zentralchina auf Lieferantensuche. Chongqing ist bekannt für seine hübschen Mädchen und sein feuriges Essen. Und alle lieben Hot Pot - inklusive mir. Im Wesentlichen ist es Fondue, nur ein wenig kreativer. Man teilt sich einen Supptentopf oder jeder bestellt seine eigene Suppe in einem kleinen Topf. Meine "low spicy Sichuan soup" stellte sich als gerade noch magenschleimhaut-verträglich heraus. Die Suppe meines lokalen Kollegen mutete gar tödlich an, war sie doch mindestens dreimal so scharf und noch mit Chilischoten nachgewürzt.


Mit Roman, Tiger und Mr. Huang vom unserem Büro in Chongqing beim Hot Pot

In den Topf kommt von Fleisch und Fisch über Nudeln, Salatblätter und Gemüse eigentlich alles Essbare. Und hier fängt das Problem an: Chinesen essen ja vieles. Einzig Hund bestellen sie im Beisein von Europäer nicht, beim Rest wird ganz normal bestellt. Um unsere Scheu zu überwinden, wird es uns Langnasen dann mit einem appetitlicheren Label verkauft. So habe ich Meeresfrucht und Entenwürstel probiert, die sich dann als Kutteln (alias Meeresfrucht) und Entendarm herausstellten. Beides war aus meiner Sicht einfach nur zäh und ohne grossen Eigengeschmack.

Beim speziellen Tofu allerdings wurde ich skeptisch, sah es bereits im Rohzustand allzu widerlich und glitschig aus. Meine Experimentierfreudigkeit war für diese Reise auch erschöpft. Als der spezielle Tofu aus dem Hot Pot gekocht wieder auftauchte, sah es schon verdammt nach Hirn aus. Es stellte sich auch als Schweinehirn heraus, von denen mein Kollege Rock mit dem grössten Vergnügen gleich zwei verputzte.