23.10.09

Hotel Claudia

Wahnsinn, seit der Wiesn sind schon gute drei Wochen vergangen und ich bin noch gar nicht dazu gekommen, hier mal wieder ein Update zu schreiben.

Die Wiesn war toll. Meine Mama war da, viele Freunde, der Urban hat vier Tage am Stück in München verbracht. Das Wetter war prima und die Arbeit ging uns dreien auch gut von der Hand. Leider war es gegen Ende dann fast ein wenig ruhig, weil viele Leute Angst hatten wegen der Bombendrohung. Glücklicherweise war es aber eine friedliche Wiesn.

Zurück in Shanghai warteten dann schon Martina und Philipp in meiner Wohnung. Sie befinden sich gerade viereinhalb Monate auf Weltreise und haben zwei Wochen in China verbracht.

Gemeinsam haben wir die Stadt ein wenig besichtigt, waren auf dem Kleidermarkt und haben uns neue Sachen schneidern lassen. Tagsüber hat Nella die beiden beschäftigt ;) und abends haben wir Shanghai unsicher gemacht.

Zwischendurch war ich noch auf der Hochzeit meiner Chinesisch-Lehrerin eingeladen. Die Einladung lud zu einem Abend in ein Hotel ein, von 18 bis 21 Uhr. Um kurz vor sechs traf ich im Restaurant ein, von jedem wurde ein Bild mit dem Brautpaar gemacht. Ich nahm am "Langnasen"-Tisch Platz und stellte fest, dass wir fast allesamt overdressed waren. Ich trug mein Knitterkostüm, die Herren Anzug und die anderen Damen hatten auch schöne Kleider an. Die Chinesen nahmen das wesentlich lockerer. Einige waren sehr fein und einige in Turnschuhen unterwegs.


Die Braut selbst trug in den drei Stunden drei verschiedene Kleider. Das klassische Weisse, in dem die Ringe getauscht wurden. Ein violettes, in dem sie und ihr Mann auch ein Ständchen sangen und ein rotes chinesisches Gewand. In diesem wurde auch die tradionelle Zermonie nachgestellt. Es stellte sich nämlich heraus, dass das Paar eigentlich schon seit Mai verheiratet ist und die Feier für die Shanghaier Freunde veranstaltet wurde. In China keine Seltenheit. Auch die Hochzeitsfotos werden schon in den Wochen davor gemacht, mit einem Riesenaufwand an Stylisten, Friseuren und Bildbearbeitungsprogrammen. Jede Braut sieht aus wie auf dem Cover eines Hochglanzmagazins. Auch meine Lehrerin kam deutlich besser weg (was nicht heisst, dass sie hässlich wäre).

Gegen Ende des Abendessen gab es noch Spiele wie Kuchenwettessen, Lieder erraten und die chinesische Form des Brautstrauss-Werfens. Da "durfte" ich mitmachen. Am Brautstrauss waren jede Menge roter Bänder befestigt, aber nur eines wirklich mit dem Strauss verbunden. Meines war glücklicherweise lose, durfte doch der Gewinner zum Dank vor allen Gästen singen. Das wär ja mein Untergang geworden. Um Punkt 21 Uhr war die Party dann auch vorbei und alles ging wieder heim - nicht ohne vorher noch einen roten Umschlag mit Banknoten dazulassen.

Nach einer Woche machten sich Philipp und Martina weiter nach Australien auf. Und am selben Abend trafen Ralph und Evelyne aus Japan ein. Die beiden sind ebenfalls vier Monate auf Weltreise.
Nachdem Nella bei so viel Besuch ein wenig aufgeregt war, hab ich ihr beim IKEA den teuersten Kratzbaum ganz Chinas gekauft (sie hatten auch genau einen auf Lager). Und den haben wir nach dem Weggehen zusammen mit Max um 3 Uhr morgens aufgebaut.



Nella liebt diesen Baum und wartet jeden Tag oben auf ihm, wenn ich heimkomme. Und wo man jetzt soviel Energie damit verbringen kann, da rauf und runter zu rennen, ist es auch wesentlich ruhiger bei mir daheim.

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